Porträts

Die Geschichte eines Bildes – Steve Jobs

30 Oktober, 2017

Verfasst von: Clare Gillsäter

Fotografien von Albert Watson haben Charakter und bleiben im Gedächtnis. Ganz besonders gilt das für seine Aufnahme von Steve Jobs aus dem Jahr 2006. Es zählt zu den Kultbildern des 2011 verstorbenen Visionärs und Geschäftsmannes.


Zeit ist kostbar

Albert Watson ist für seine Porträts berühmter Personen bekannt. Die besonderen Aufnahmen mit Kultcharakter sind sein Markenzeichen.

Steve Jobs mochte es nicht, fotografiert zu werden. Dessen war sich Albert bewusst. Er musste schnell und entschlossen agieren, wollte er in der wenigen ihm zur Verfügung stehenden Zeit eine einzigartige Aufnahme von ihm einfangen.

„Ich ging volles Risiko“, erinnert sich Albert. Jobs hatte ihm eine Stunde Zeit zugestanden, aber er erklärte dem Geschäftsmann, er hätte die Aufnahme in der Hälfte der Zeit im Kasten. „Er sah mich an, als hätte ich ihm gerade ein Weihnachtsgeschenk in die Hand gedrückt.“ Natürlich, denn dreißig Minuten waren in seinem arbeitsreichen Leben Gold wert.

Ohne Schnörkel zum Erfolg

Am Ende benötigte Albert lediglich 20 Minuten für die Aufnahme, die ihm vorschwebte. Er ging so an die Aufgabe heran, wie er es in seinem Handwerk gewöhnt war: Er fackelte nicht lange. Seine beeindruckende Fähigkeit, Menschen zu lesen, half ihm dabei. Ihre außergewöhnliche Kraft entwickelt die Aufnahme, weil sie den Menschen Steve Jobs porträtiert.

Diese Wirkung erzielte Albert, indem er sich dafür ein Passfoto vorstellte. Für die Aufnahme nutzte er einen weißen Hintergrund, bat Steve Jobs, sich leicht nach vorn zu lehnen und forderte ihn auf: „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem Tisch vier oder fünf Menschen gegenüber, die Ihnen nicht zustimmen, aber Sie wissen genau, dass Sie recht haben.“ So blickte er also in die Kamera, und genau in diesem Moment entstand das Bild, das die ganze Intensität, Intelligenz und die Überzeugungskraft zeigt, die die Genialität von Steve Jobs ausmachten.

Bevor er den Raum verließ, warf Steve Jobs noch einen Blick auf das Polaroid-Foto und fragte, ob er es haben könnte. Er meinte, es wäre „das vielleicht beste Bild, das jemals von mir gemacht worden ist“.

Ergreifende Würdigung

Einige Jahre später, Albert packte gerade seine Sachen für den Tag zusammen, rief überraschend der PR-Chef von Apple, John Dowling, bei ihm an. Er fragte Albert, ob er das Bild noch hätte. Er bräuchte es so schnell wie möglich. Da Albert spürte, wie dringend diese Anfrage war, suchte er das Bild heraus und sendete es Dowling. Am Abend desselben Tages wurde bekanntgegeben, dass Steve Jobs gestorben war.

Die Bekanntmachung auf der Website von Apple am 5. Oktober 2011 wurde von dem Porträt begleitet, das Albert aufgenommen hatte.

Steve Jobs hat mit seinen Visionen das Leben der Menschen wie kaum ein anderer beeinflusst. Präsident Barack Obama würdigte ihn auf seiner Website mit den Worten: „Steve sagte immer gern, dass er jeden Tag leben würde, als wäre es sein letzter. Und weil er so lebte, hat er unser Leben verändert, ganze Branchen neu definiert und eine überragende Glanzleistung in der Geschichte der Menschheit vollbracht: Er hat die Art und Weise verändert, wie wir alle die Welt sehen.“

Unsterbliche Wirkung

Die kraftvolle Wirkung dieses Porträts ist unsterblich. Es ist zum Kultbild geworden, zum Symbol einer Ära und eines monumentalen Wandels in unserer Beziehung zur Technologie. Es zierte das Cover der Biografie von Steve Jobs, und nach seinem Tod war es einen Monat lang auf der Apple-Website zu sehen. Mit diesem Bild bleibt Steve Jobs vielen von uns als erfolgreicher Unternehmer und Vordenker in Erinnerung.

Verfasst von: Clare Gillsäter