Die Geschichte eines Bildes – Alfred Hitchcock

25 Juli, 2018

Verfasst von: Clare Gillsäter

Albert Watson ist ein Meister seines Fachs, der andere Künstler inspiriert, über sich hinaus zu wachsen. Dieses Bild von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1973 war ein zentraler Baustein in seiner Karriere. Albert sagt selbst: „Das ist die wichtigste Aufnahme meiner Karriere, denn sie schuf Vertrauen in mein Können.“

Carpe Diem 

Als Harper’s Bazaar anrief und Albert bat, Alfred Hitchcock zu fotografieren, ergriff er die Chance. „Wenn du die Chance bekommst, ein solches Bild zu machen, solltest du die Gelegenheit beim Schopfe packen und dein Bestes geben.“ Dies war das erste Mal, dass er mit einer berühmten Persönlichkeit arbeitete. Um seine Nerven zu beruhigen, bereitete er sich sorgfältig vor, damit er „für alle Eventualitäten gewappnet und effizient“ ist und sich „ganz auf die Kommunikation mit Hitchcock konzentrieren kann“. Das war ihm sehr wichtig. 

Bis zum heutigen Tage bereitet Albert seine Shootings penibel vor, wie wir bei der Entstehung seiner legendären Bilder von Sergei Polunin beobachten konnten. Für diese Aufnahme sah er sich die Hitchcock-Filme an und bediente sich der Wendung in einem seiner Psychothriller als Inspiration. Die Zeitschrift wollte ihren Artikel über Alfred Hitchcocks Weihnachtsgans-Rezept mit einem Bild untermalen, das dessen Talent als Sternekoch zur Geltung brachte. Der junge Fotograf lehnte sich ziemlich weit aus dem Fenster mit einem tollkühnen Vorschlag: Hitchcock sollte eine tote Gans am Hals packen, als hätte er sie gerade eben stranguliert. Seine eigenwillige Idee befeuerte Hitchcocks Fantasie und dies führte zu einem enorm ausdrucksstarken Bild. 

Wenig Licht ist mehr 

Albert Watson machte in den frühen siebziger Jahren seine ersten Schritte als Fotograf. Er hatte jedoch bereits verstanden, wie wichtig Licht für die Entstehung von Strukturen, Stimmungen und Charakter ist. Er wusste, dass Licht ein wichtiger Part dessen ist, womit er als Fotograf arbeitet. Wie die meisten Werke von Albert ist sein Bild von Alfred Hitchcock sehr einfach ausgeleuchtet. Dies mag seinen begrenzten Kenntnissen über Lichtsetzung zum damaligen Zeitpunkt und dem Mangel an Equipment zuzuschreiben sein. Aber wir haben über die Jahre beobachten können, wie seine einfache Lichtsetzung und sein „Weniger ist mehr“-Ansatz zum Markenzeichen seiner Fotografie geworden sind. Schon in diesen Anfängen seiner Karriere hatte Albert ein untrügliches Gespür für wirkungsvolle Lichtgestaltung.

Er wählte einen weißen Hintergrund als Kontrast zu Hitchcocks schwarzem Anzug und richtete einen Blitz mit Blitzschirm auf diesen Hintergrund. Seine Ausrüstung war rudimentär – mit nur zwei Blitzen. Anstelle komplizierter Techniken bevorzugte er es, mit den vorhandenen Mitteln ein gutes Ergebnis zu erzielen. Für die Gestaltung des Bildes wählte er ein klares, sauberes Licht. 

Inspiration und Perspektive 

Albert zeigte sich der Aufgabe mehr als gewachsen. Er nahm seine nervöse Vorfreude und kanalisierte sie zu einem inspirierenden und mutigen Ergebnis. Inspiration ist für ihn ein wichtiges Element in all seinen Werken, denn sie beflügelt und zwingt den Einzelnen dazu, neue Ideen zu denken und andere Sichtweisen zu sehen. Sei es Malerei, Musik, Film oder die Arbeiten anderer Personen ... „Inspiration ist wie der Wind in deinen Segeln. Sie bringt dich vorwärts und zeigt dir neue Welten.“ 

Vom Anfänger zum Meister 

Albert hat einen weiten Weg zurückgelegt – von seinen Anfängen, als er jeden Auftrag annahm, den er kriegen konnte, bis zu seinem heutigen Status als gesuchter Künstler. Er versucht nicht länger, „das Unerwartete zu vermeiden“, sondern verwandelt das Unerwartete in Meisterstücke. 

Auf seinem Weg hat er viel gelernt und sein Wissen gibt er großzügig weiter: 

  • Gehe auf die Menschen ein – ein offener, persönlicher Umgang ist die beste Waffe des Fotografen und macht aus einem guten Bild ein fantastisches.
  • Halte das Licht einfach – und baue darauf auf. Fange einfach an und gestalte dann nach und nach dein Bild.
  • Halte immer und überall Ausschau nach Inspiration und Ideen.
  • Bereite dich gut vor und mache deine Hausaufgaben.
  • Konzipiere deine Aufnahme, d. h. mach deine Idee sichtbar.
  • Und übe. Das ist kein Geheimnis. Um eine Sache gut zu machen, muss man üben. Und zwar viel.

Verfasst von: Clare Gillsäter